„Weil, die wenigen erlaubten Plätze sind doch schon besetzt“ – Guter Rutsch mit der Musik von FaulenzA

„Luxus für alle!“

von Kersty

Gestern, als 2020 noch in seinen letzten Wehen lag, da habe ich zu FaulenzA getanzt. Man will das Jahr ja fröhlich und mit dem richtigen Winterbiss ausläuten lassen. Und das geht ja wohl nicht besser als mit „Tanzen“ von Faulenza (feat. Carmel Zoum):

Aber als dann das neue Jahr angebrochen war, dachte ich, man kann es nur mit einem FaulenzA-Song beginnen. Und da hilft nur eins: Streunender Punk!

Ein streunender Punk sein in 2021 – „Richtung unbekanntem Ziel, es ist mehr ein Fluchtgefühl.“ 

Was für ein schönes Geschenk doch jedes Lied von FaulenzA ist! Man kann sich beim Hören ganz in sich selbst zurückziehen, wie in ein Schneckenhaus, oder aber auf dem Juteteppich im Wohnzimmer die ersten Piouretten ins neue Jahr tanzen!

Dann, als ich heute aufgewacht bin, wohlwissend, dass ich jetzt wieder jeden Tag mindestens eine Stunde an meinem Roman arbeiten werde (der 1.Januar war letztes Jahr schon mein Stichtag, und es ist drei Monate lang gut gegangen), beschloss ich, um richtig reinzukommen ins Buch, ja wohl eine Portion FaulenzA zu hören 🙂 

Und da die „Mäuseanarchy“ nun schon mal im CD- Spieler lag, selbstverständlich den Gassenhauer „Ratte“: „Ich klau ein, ich klau ein, klau im Supermarkt, ich fahr schwarz in der 1. Klasse, ich klau ein, ich klau ein, wird `n Supertag, einfach Luxus für alle, dachte Ratte.“

Als ich dann nach drei Stunden, in diesem schönen Luxuskindergefühl schwelgend, immer noch glücklich ins Buch vertieft war, betrat mein liebes Schwesterherz meine Wohnung. Und ratet, was sie mir mitgebrachte:  „Hör mal“, rief sie, „ein neues Lied von FaulenzA, hat sie grad heute auf FB gestellt: „Das Geld liegt auf der Straße.“

Oh toll,  neues Gold von FaulenzA!  2021 ist gerettet!! FaulenzA habe schon viele neue Lieder (mit „Akkordeon geschultert“), das weiß meine Schwester, weil sie nämlich von FaulenzA auf „telegram“ exklusiv mit News versorgt wird. So auch mit Infos zu ihrem folkig-punkigen Reiseroman „Inselgnome auf der Walz“, den wir hier auch noch vorstellen werden…

So, jetzt  noch eine Kiwi, zwei Rippchen Zartbitter Schokolade und ein Hafermilch-Cappuccino, und was soll da noch schiefgehen? Denn richtig, genau, das Geld liegt ja schließlich auf der Straße. In diesem Song singt sie über ihre Erfahrung als Straßenmusikerin (so viel Zeit euch die literaturwissenschaftlichen Verweise im Werk von FaulenzA zu erklären, muss sein) –  und  knüpft damit an eins meiner absoluten Fauli-Lieblingslieder an:  aus dem Album „Glitzerrebellion“ von 2013, die große Verbeugung vor der Bühnenkulisse der Straßenmusiker*innen. „Ein Hut mit Kleingeld vor einem Schaufenster, so ein Bühnenbild hat selbst der Broadway nicht.“

Aber egal, in Deutschland ham wir ja Annenmeykantereit und ihr scheußliches neues Album „12“. Kritiker*innen da draußen, hören lieber das den ganzen Tag. AnnenMeyKantereit werden dabei regelmäßig mit Rio Reiser verglichen. „Weil die Stimme so tief ist.“ Dürfte man einmal herzlich lachen, bitte? Das soll bekanntlich helfen Depressionen zu lindern, und vielleicht hilfts auch gegen die Deutsche Depression. Eine Band, die der Meinung ist, vor Corona habe es hierzulande noch nie ein ernsthaftes Problem gegeben; und noch nie einen Grund, alle zwei Stunden die „News“ zu googlen, wie es in einem neuen Songtext von AMK (die Annegret-Kramp-Karrenbauers des Pop! 🙂 ) heißt, kann man echt nicht im Ernst mit Ton, Steine, Scherben vergleichen.

Dass wir hier auf dem Blog aber auch manchmal so banale Wahrheiten formulieren müssen…  Und auch wer eine Hymne übers Frühaufstehen schreibt, in Zusammenklang mit „Ausgehen“, soll lieber nicht mit linken Anarchisten verglichen werden…  Ihr müsst eure Ton, Steine, Scherben schon da suchen, wo sie wirklich stattfinden: Auf der Straße, mit `nem Hut und im Häuserkampf mit `nem Einhorn im Arm. Stellt euch mal vor, es sind gerade diejenigen, die zu diskriminierten Gruppen gehören und nicht die tiefen Männerstimmen haben, und nicht die großen Häuser erben, die sowas heute überhaupt noch fühlen, denken und in Musik übersetzen können. Dabei ist FaulenzA natürlich absolut unique und einzigartig, wie alle Bands hier auf dem Blog. 

Und weil wir nicht mit was Blödem (AMK)  sondern was Tollem schließen wollen, und ja sowieso die „Goldkind/Pechkind“-Rhetorik nicht mögen,  endet dieser Blogeintrag jetzt versöhnlich mit einem aktuellen Interview FaulenzAs bei Transgender-Radio, viel Spaß!

Zum Weiterlesen auf diesem Blog:

Unsere Wunderwesen in diesem Winter: FaulenzA Albumreview + Elke Brauweiler Vorschau