Autorinnen-Profil: Sandra Grether

Sandra Grether 

Sandra Grether

gründete Ende der 1990er die erste deutschsprachige Riot Grrrl Band PAROLE TRIXI, weil sie sich wunderte, dass es in Deutschland keine Band gibt, die sich auf diese Bewegung bezieht. Vorher hatte sie in der SPEX über jede anglo-amerikanische Riot Grrrl Band geschrieben, die je ein Demotape veröffentlicht oder auch nur einen Gitarrenverstärker die Treppe heruntergetragen hat. Gleich nach ihrer Schulzeit war sie magersüchtig geworden und dadurch irgendwie “auf die andere Seite” gekommen. Nach einer relativ schnellen Genesungsphase war sie noch wütender als vorher (weil niemand darüber sprach wie es sich anfühlt  zu verhungern), und eine eigene Band musste her.

Zum Glück hatte sie schon immer die lauteste Stimme in ihrer Stammkneipe gehabt. Gitarrespielen konnte sie noch aus ihrer Kindheit, wo sie Unterricht in Gitarre und Klavier gehabt hatte. Sie zog vom Kölner “Sixpack” in die Hamburger Schule um.  Aus  drei Akkorden wurden schnell 23.  2002 erschien auf Alfred Hilsbergs ZickZack-Label das einzige Parole-Trixi-Album “Die Definition von süß”, und die Band spielte viele Konzerte (u.a. im Vorprogramm von Le Tigre)  und schaffte es mit einem ziemlich schrägen Song sogar auf eine VIVA-Rotation.  Die Zeit hatte sich aber  schon wieder gedreht und Sandra wollte lieber poetische Rock-Chansons schreiben, als ewig atonale Metalpunkmusik zu machen.

So entstand die Band DOCTORELLA, bei der sie singt, Gitarre spielt und Songs schreibt, und die bislang zwei Alben veröffentlicht hat: 2012 erschien “Drogen & Psychologen” (ZickZack). 2016 “Ich will alles von dir wissen” (Bohemian Strawberry & ZickZack). Dies hält sie für ihr  Meisterwerk.  Jeder, der was anderes behauptet, lügt.  Aber das sind eh nicht viele. Das Album war “Album der Woche” in der FAZ , auf Platz 1 der AMAZON-Charts bei ” Alternative, Deutschland” und schlug sich auch ansonsten wacker in der hiesigen sexistischen Musiklandschaft. Bei Doctorella spielen sonst noch: Kerstin (Gesang, Keyboards), Sascha Rohrberg (Gitarre) sowie die Twin-Brothers Flavio (Drums) und Fabrizio Steinbach (Bass).

Gemeinsam mit Kerstin gab Sandra das Standardwerk “Madonna und Wir. Bekenntnisse” (Suhrkamp,  2008) heraus. (Weil sie noch nie Fan von Madonna war, porträtierte sie darin kurzerhand Joan Jett.)  Sandra war maßgeblich an diversen feministischen Protestaktionen der zehner Jahre in Berlin beteiligt, u.a. SlutWalk. Bei Bohemian Strawberry ist sie nicht nur für die Labelarbeit, sondern auch fürs Booking zuständig. Denn sie möchte nicht in einem Land leben, in dem nur Männer auf Bühnen E-Gitarren zerschmettern dürfen.