„Was ist schon normal … Du zerbrichst Jahre später nochmal…“ Culk

aus: Missy Magazine 

Culk

Zerstreuen über euch

Siluh / Cargo

Es nervt, dass fast alle Bands aus Österreich, die seit Jahren im deutschsprachigen Raum gehypet werden und Erfolg haben, aus cis Männern bestehen. Wo es doch auch dort so viele tolle Musikerinnen gibt! Es hat gefälligst genauso viel Beachtung zu finden, mit wie viel abgründigem Glanz und scharfer Beobachtungsgabe jetzt beispielsweise Sophie Löw (Stimme, Text, Synthesizer, Gitarre, Art-Work) mit ihrer Band CULK ihr zweites Album vorlegt. Es ist voller abstrakter Substantive, die zum Leben erweckt werden und Tunwörter, die zum Handeln anregen. Ein gesamtes Album über „die tief verwurzelten patriarchalischen Strukturen“ (Albuminfo); formverliebt, voll unheilvoll klingender Post-Punk-Gitarren und Shoegaze-Wall of Sounds. Auch mit ihrem Gesang schafft Löw das Kunststück, entrückt und expressiv zugleich zu klingen. Wenn sie so prägnante Zeilen singt wie: „Einander verlieren heißt nicht immer verlieren“ Oder mit wenigen prägnanten Worten die langzeitliche Dimension von Traumata auf den Punkt bringt: „Was ist schon normal…. / Du zerbrichst Jahre später nochmal“ Die Stücke klingen, als würde sie unter einem Zitronenbaum sitzen, nachdem sie gerade aus der Schockstarre erwacht ist – weil wir das Leben nur genießen können, wenn die Wunden benannt werden dürfen, die uns zugefügt wurden. Wo dann auch das Private politisch wird. Liebeslieder zur Zeit, mit viel Liebe zur politischen Beobachtung. Nimm das, Bilderbuch-Fan!