Autorinnen-Profil: Sandra Grether

Sandra Grether 

Sandra Grether

Sängerin, Gitarristin, Songschreiberin bei The Doctorella.

Außerdem: Rock-Journalistin,  Kuratorin, Veranstalterin & Moderatorin (“Ich Brauche Eine Genie” : Berghain-Kantine und “Krawalle & Liebe”: Literaturforum im Brecht-Haus), Buch-Herausgeberin, (queer-)feministische Aktivistin.  Macht das Label Bohemian Strawberry Records, den Blog hier, und gründete die Band Parole Trixi (1998 – 2004).  Gilt, gemeinsam mit ihrer Schwester Kersty Grether, als Erfinderin des Pop-Feminismus in Deutschland.

Sandra gründete Ende der 1990er in Hamburg die Band PAROLE TRIXI, die heute als “erste deutschsprachige Riot Grrrl-Band” gilt.  Vom STERN als „die provokanteste Band Deutschlands“ bezeichnet. Tabubrechend, schon damals mit den pop-feministischen Themen von heute: Slutshaming, #meetoo, Benennen von Macht-Strukturen usw.  Musikalisch unterschätzt, da man einer sogenannten „Frauenband“ keine ausufernden Gitarren-Soli, jazzige Arrangements und lyrische Texte ( im Rap-Reim-Schema ) zugestehen wollte. 2002 erschien auf Alfred Hilsbergs ZickZack-Label das erste und einzige Parole-Trixi-Album “Die Definition von süß”, und die Band spielte viele Konzerte (u.a. im Vorprogramm von Le Tigre)  und schaffte es mit einem ziemlich schrägen Song sogar auf eine VIVA-Rotation. Jüngst landete die Band sogar  im Museum; 2021 in der Ausstellung “Hits & Hymnen der Zeitgeschichte” im “Haus der Geschichte” in Bonn. Sie wird außerdem in aktuellen Musikbüchern gefeatred, z.B. in “Riot Grrrl Revisited” “Damaged Goods, 150 Einträge in die Punkgeschichte”.

Davor, schon als Teenager, hatte Sandra für die  Musikzeitschrift SPEX Texte über jede anglo-amerikanische Riot Grrrl Band geschrieben, die je ein Demotape veröffentlicht oder auch nur einen Gitarrenverstärker die Treppe heruntergetragen hat; sowie über unzählige “male” Rockbands, und über Literatur.  Gleich nach ihrer Schulzeit war sie magersüchtig geworden und dadurch irgendwie “auf die andere Seite” gekommen. Eine eigene Band musste her! Sie tauschte die Schreibmaschine gegen die Sechsaitige, und die Kalorientabelle gegen ein Akkord-Sheet aus.  Gitarrespielen konnte sie noch aus ihrer Kindheit, wo sie jahrelang Unterricht in Gitarre und Klavier gehabt hatte. Außerdem schrieb Sandra in den nuller Jahren regelmäßig für die Musikzeitschrift INTRO, und gab, gemeinsam mit Kersty Grether,  das Standardwerk “Madonna und Wir. Bekenntnisse” (Suhrkamp,  2008) heraus.

Nach dem Ende von Parole Trixi wollte Sandra lieber poetische Rock-Chansons und ähnliches schreiben, als atonale Metalpunkmusik zu machen. So entstand, nach einigen Jahren des Rückzugs, die Band THE DOCTORELLA, bei der sie singt, Gitarre spielt, Lyrics & Songs schreibt, arrangiert und co-produziert.  The Doctorella haben in den zehner Jahren zwei Alben und eine EP veröffentlicht:  2012 erschien “Drogen & Psychologen” (ZickZack). 2016 die EP “”Durch Erdbeerfelder” und  das Album “Ich will alles von dir wissen” (Bohemian Strawberry & ZickZack), das “Album der Woche” in der FAZ war, die schrieb: “Das Hörste der Gefühle. Überhaupt diese Reime – „Liebeslieder“ zum Beispiel hört man „niemals wieder“; Sprache kann manchmal eben doch fast so stark stimmen wie Rechnen, textlich wie musikalisch, von den Parolen bis zum Arrangement.“ Bei The Doctorella spielen sonst noch: Kersty (Gesang, Keyboards), Sascha Rohrberg (Gitarre) sowie die Twin-Brothers Flavio (Drums) und Fabrizio Steinbach (Bass).  Zeitgleich zum Album-Release hatte Sandra  2016 außerdem  ihr eigenes, Musikerinnen-fokussiertes, Plattenlabel “Bohemian Strawberry “( im Vertrieb: Broken Silence) gegründet. Hier erscheinen  z.B. auch Platten von  Maike Rosa Vogel oder Drunk at Your Wedding. The-Doctorella-Album Nr. 3 ist in Arbeit.

Sandra war in den zehner Jahren außerdem maßgeblich an diversen feministischen Protestaktionen in Berlin beteiligt, u.v.a. SlutWalk Berlin. Bei Bohemian Strawberry ist sie nicht nur für die Labelarbeit, sondern auch fürs Booking zuständig. Denn sie möchte nicht in einem Land leben, in dem nur Männer auf Bühnen E-Gitarren zerschmettern dürfen. Deshalb macht sie seit 2017 die regelmäßigen, erfolgreichen Veranstaltungsreihen “Ich Brauche Eine Genie” ( in der Kantine am Berghain ) sowie den “Grether-Salon” Krawalle & Liebe (seit 2018) im Literaturforum im Brecht-Haus.

Am 31.8. 2021  erschien im mikrotext Verlag,  das von ihr und Kersty herausgegebene, Songbook “Ich Brauche Eine Genie”, das ein Überraschungserfolg wurde.  Es enthält die Songtexte von  70 female* Artists. sowie Begleitakkorde, Illustrationen und Privates aus den Archiven von Musikerinnen wie Bernadette La Hengst, Chefboss, Hansa-A-Plast, Schnipo Schranke, FaulenzA, Malaria!, Die Lassie Singers, Natascha P., Babsi Tollwut, The Doctorella und vielen vielen mehr.