Ich muss gar nichts! Ein paar Gedanken zu dem Blog den wir hier schon seit mehr als einem Jahr machen….

Und generell über das Herumgetragen-Werden!

Auf Leben und Leben!

Von Kerstin

 

“ICH MUSS GAR NICHTS”, prangt in Riesenlettern auf dem Cover  der “Barbara”. Im Inneren des Kein-Normales-Frauenmagazins von Barbara Schöneberger, gibt es eine Album-Review über VON LUFT. Es ist sensationell, wie diese Band mit ihrem alltagsnahen Folk-Pop die Glamour-Presse aufreißt! Gestern Gala, heute Barbara, und Anfragen vom Fernsehen sind auch schon da. Es geht voran mit our Bohemian Strawberry Records und der Band VON LUFT…   So ist das, wenn man nichts muss und alles darf: luftig eben. Mit der Betonung auf “von”. “Barbara also schreibt:”Die tun nur so harmlos, die VON und ZU LUFT”…”Deren Popmelodien können was: sie werden nämlich immer größer.” Und vergleicht sie gleich mal mit Fleetwood Mac! Wie ein fliegendes Mac Book. Und das ist eine schöne Entwicklung, neulich in der GALA wurden sie mit Ike und Tina Turner  verglichen, und mit Sonny & Cher! Auch ganz grande!  Kulturnews denkt an Lassie Singers und Bernd Begemann; nur dass die nie ein Duett zusammen hatten ;). Wir sind d`accord.

Ich hätte ja noch vor zwei Jahren nicht gedacht, und vor zehn Jahren erst Recht nicht, dass ich nochmal ein Musikmagazin ins Netz stelle. Ich dachte, das mit dem Fanzine hätte ich in meiner verdammten, aber lustigen Jugend (jetzt bin ich immer noch im “Barbara”-Sprech:) erledigt.

Aber es ist einfach ein zu gutes, zu gurrendes Gefühl, hätte ich beinahe geschrieben, einfach schreiben zu können was und wie man will und auch gleich noch Menschen damit zu erreichen, die das dann tatsächlich lesen. Unser Blog hat nämlich ganz schön viele Aufrufe:  in guten Phasen, wo wir mehr als zwei mal die Woche posten, bis zu 50.000 bis 70.000 im Monat!!

Es ist nicht so, dass ich das fassen kann! Schließlich haben wir das so als persönliches Zwei-Woman- Projekt gestartet, ohne groß an Leser*innen zu denken. Es sollte mehr ein Zeichen sein, eine neue Szene aufrufen, Spaß machen, weil es mich so aufgeregt hat und immer noch aufregt, wie herablassend über Musik von Frauen geschrieben wird  bzw wie sie einfach meistens ganz ignoriert wird, vor allem dann, wenn Frauen, die in  Grrrrlmany leben, Musik machen. Weil die bleiben ja hier und konfrontieren uns damit, dass Mädchen auch kreativ sein und schöne Dinge machen dürfen, sogar in Schland.

So ein Pech aber auch – für alle diejenigen, für die Musikhören etwas ist, was nur mit Konsum zu tun hat und gar nicht mit Szene oder so. Aber es ist eine schöne Sache, wie viele Künstlerinnen es gibt, die zum “Eine Genie”-Logo passen. Ziel ist ja eine neue Szene zu starten, so dass die Leute –  in zehn Jahren oder so  – sich wundern: wie? War das damals nicht normal, dass Musikerinnen ernst genommen werden? Nach Berlin kommen Musikerinnen aus der ganzen Welt, aber wenn sie im Radio was spielen, dann natürlich nur die, die original noch in Australien oder Neuseeland oder Frankreich leben, das fühlt sich scheinbar für viele Leute echt bequemer an: so ein lächerlicher geographischer Abstand zur Kunst von Frauen, dann kann man das vielleicht sogar exotistisch genießen.

Und immer nur Musik aus den “guten” Ländern im Radio. Nie aus den als minderwertiger betrachteten. Auch das regt mich wahnsinnig auf. Und irgendwie dürfen die Musikerinnen alle nicht hier leben…. Ja, bloß nicht von hier, wo sie die deutsche Ordnung durcheinanderbringen. Ich weiß zwar auch nicht so genau: warum eigentlich?  So haben die Alliierten das aber jedenfalls nicht gemeint, als sie den mörderischen Deutschen die angloamerikanische Populärkultur verschrieben haben: bitte nur die deutschen Männer hypen, die deutschen Frauen wieder an Herd und Küche zurückschicken und auf jeden Fall von der Kreativität fernhalten…. Nun gut so viel zum Thema Blog. Für heute. Morgen dann wieder der neueste heiße Scheiß, und ab Morgen wieder öfters, regelmäßiger, wir wollen wieder mal die 70 000 Aufrufe-Marke knacken. Unfassbar, aber wahr. Dafür muss man über Rap schreiben, dann kommen die Klicks. Und das gilt sogar für Spielverderber-Rap von Frauen, haha. Weil sie ja nicht sich selbst das Spiel verderben.. aber Quatsch. Weil sie gar keine Spielverderberinnen sind. Haben wir eigentlich schon 10 Fragen an Babsi Tollwut geschickt oder an Yetundey? Nee, na, dann mal los. MUSS SEIN. Und ja: auch über internationale Musikerinnen sollten wir öfters mal schreiben, es gibt ja so unendlich viele Gute. Aber bevor es in Stress umschlägt (um nicht zu sagen “ausartet”): Übermorgen dann. Machen ja auch alle anderen schon.

Es gibt ja so viele Themen auf der Welt, die wichtiger sind als die Themen dieses Blogs. Genau deshalb macht mir dieser Blog Spaß! Weil, das, worum es geht, auf den ersten Blick so klein ist, und sich dabei so wichtig nimmt, haha. Weil es nichts auf Leben und Tod ist. Sondern nur auf Leben und Leben! Ich könnte nicht so einen ganz ernsthaften Beruf haben wie z.B. Politiker*in, Ärztin oder Pflegekraft. Sagt man das so? Pflegekraft? Ich weiß grad die politisch korrekte Formulierung nicht. Ich könnte nichts tun, wo am anderen Ende echte Menschen in Gefahr sind, wenn ich einen Fehler mache. Ich hab großen Respekt  vor Menschen, die sowas können.

Ich selber muss mich immer im Übermut austoben. Eine Therapeutin hat mir mal gesagt, ich wäre nicht fest genug in der Welt, der Boden unter meinen Füßen sei nicht stark genug, ich sei als Kind nicht genug “herum-getragen” worden, echt wahr. So ein Zeugs können Therapeut*innen über andere Menschen herausfinden, wenn die ihnen nur ein bisschen was aus ihrem Leben erzählen, und das muss  nicht einmal eine Beschwerde sein übers nicht genug herum -getragen werden. Das finden die Therapeut*innen auch so heraus.

Aber mittlerweile habe ich eigentlich schon das Gefühl nicht mehr ganz so in der Luft zu hängen; wobei komisch eigentlich, dass es die Nichtherumgetragenen sind, die keinen Boden unter den Füßen haben, angeblich  –  und nicht die Herumgetragenen. Umgekehrt wäre es viel logischer: sie wurden als Baby zu viel von ihren Eltern herum-getragen, kein Wunder, dass sie nicht fest genug mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Aber wie dem auch sei; ich bin froh, dass ich schon in meinen 20ern die Sache mit der Therapie erledigt habe bzw. das damals durchgezogen habe. Leute, die nie beim Therapeuten waren, haben oft ein paar Basis-Informationen über sich selber nicht. Da kann man noch so viele Bücher lesen und noch so viele sogenannte “Erfahrungen” machen: dieser eine Moment, wo man zu einer Psychologin geht und die einem, nach all dem Identitätsrumgestochere, einfach erzählt “wer” man so ist, diese Brachial-Identitätsfindungsnotpläne sind schon nicht schlecht für den Anfang, (oder den Bruch, in einem leidvollen Moment).  Jedenfalls wenn man zu den Nicht-Herumgetragenen gehört…

 

“In der Dunkelheit versuchen wir zu singen”Von Luft im Song “Das Etikett aus der Region”:

Hier gibts CD und LP: https://www.jpc.de/jpcng/poprock/detail/-/art/von-luft-wo-die-flamingos-stehen/hnum/9233480

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.