Elke Brauweiler erfindet das Kunstlied neu – auf ihrem Solo-Album “Freund”:

von Sandra

“Ich frage für einen Freund” (Songtitel)

In einer Zeit, in der sich selbst die angesagtesten besten Produzenten z B im Hip-Hop oder Rockbereich alle auf DEN EINEN Sound einigen, den sie meinen, gerade am besten verkaufen zu können, ist es total erfrischend, dass es auch noch Musiker*innen gibt,  die mal auf die Idee kommen etwas komplett Eigenes zu machen – und die unter Musikmachen verstehen, sich selbst zum Ausdruck zu bringen, anstatt irgendwelche angesagte Sound-Patterns zu wiederholen. Elke Brauweiler, einst Sängerin und Vorzeige-Lady der Überelectro-Pop-Band PAULA kennt die Regeln des Geschäfts ganz genau, und sie setzt dem inspirierten PAULA-Sound eine nicht minder grandiose Unverwechselbarkeit entgegen.

Schon allein wie das Album anfängt. Mit dem Song “All die schönen Beulen”, es ist mehr als mutig, wenn eine Musikerin das Thema Schönheitsideale vertont.  Aber das Lied kann sogar noch mehr, wenn es im Umkehrschluss sagt: “Ich würd dich verlassen, mein Schatz, wenn du keine Falten mehr hast, wenn jede deiner Hosen dir perfekt passt.” 

https://www.youtube.com/watch?v=oxJTDDZSfHE

Die Beulen auch ganz allgemein die man vom Leben bekommt. Ein zweidimensionaler Song. Und genau so macht die Platte weiter: sie will nicht angenehm sein, und ist es dadurch. Es ist ihr egal ob sie gefällt, und genau deshalb gefällt sie mit ihren elegisch ausufernden Songstrukturen und Instrumentierungen, die auf spannende Weise mehr mit Klassik als mit Pop zu tun haben. Mein Lieblingslied ist aber das romantische Wildwetterlied “November”, in seiner völlig einzigartigen Mischung aus anspruchsvollem “Schlager” a la Alexandra, Klassik, Pop und ja, auch Indie-Rock:

https://www.youtube.com/watch?v=ejsE2d3Sgv4

Vielleicht liegt diese besondere Herangehensweise an Musik auch an der musikalischen Sozialisation der Musikerin: sie hat schon als Kind Geige gespielt und hier tatsächlich das Kunstlied neu erfunden! Bei alle dem: “Freund” ist eine Platte, die ihre prätentiösen Mittel unprätentiös einsetzt:  über alle Genregrenzen erhaben und sehr individuell.

Außerdem, und das ist ja das Wichtigste: es macht SPAß diese außergewöhnlichen Kompositionen zu hören!

Elke-Brauweiler-Fans wissen, dass die Sänger/Songwriterin im Frühjahr einen Monat lang mit Jose Gonzales & The String Theory auf US-Tour war. Wow! Auf Fb ließ sie uns mit Fotos aus US-amerikanischen Cities und Provinzstädten auch immer wieder dran teilhaben. Wie kam es eigentlich dazu, Elke?

 “Ich spiele seit Kindertagen Geige und bin dann zur Bratsche gewechselt. Ich bin quasi Mit-gründungsmitglied der Berlin String Theory, damit fing das Ganze an..Wir haben etwa im Jahr 2005 oder 2006 ein Album live im Berliner “Chez Cherie”-Studio aufgenommen und haben dann im Jahr 2008 das Gleiche in Göteborg mit schwedischen Musikern gemacht. Dort haben wir Jose kennengelernt und daraus entwickelte sich das, was es jetzt gibt; die String Theory. Ein cooles Ensemble aus Musikern aus Göteborg und Berlin, die zusammen mit dem famosen Jose die Welt bespielen…es ist fantastisch, ein Mitglied dieser Truppe zu sein!”

Für ihr Album “Freund” , das Anfang des Jahres erschien, hat Elke Brauweiler bereits 2018 sehr erfolgreich Crowdfunding gemacht. Zum Weiterlesen könnt ihr unser Interview mit ihr lesen,  das wir anlässlich der Aktion geführt haben.

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