Fünf süße Adventsfragen und eine ernste politische Frage an unsere Homies von Zuckerklub

MOMENTAUFNAHME, DEZEMBER 2018

1 Erste Adventswoche, ihr spielt am Nikolaustag bei unserem Grether-Salon im LfBrecht-Haus “Krawalle und Liebe” (gemeinsam mit Schorsch Kamerun, Katrin Frank (Lesung) und Claudia Wangerin (Talk). Hand aufs Herz: wird in der Adventszeit im Hause Zuckerklub noch mehr Süßes genascht/produziert, vielleicht sogar selbstgebacken, als in den übrigen elf Monaten des Jahres? Und wenn selbstgebacken, gebrutzelt oder Bowle: was genau?

Ja, tatsächlich gibt es viel mehr Zucker bei uns, in diesen Tagen. Wir sitzen zwischen selbst gebackenen Nusszöpfen und Adventsschokolade. Allerdings müssen wir leider zugeben, dass wir gerade mehr Songs backen als Plätzchen. Im konditorischen Bereich waren unsere Freunde mal wieder schneller und fleißiger als wir. Also sagen wir mal so: Wir lassen uns bebacken, bebrutzeln und bebrauen und schreiben Songs mit vollen Bäuchen.

2 Ihr habt ja letztes Jahr anlässlich unseres Gerd-Semmer-Abends im LFBrecht-Haus als Coverversion ein Weihnachtsgedicht dieses Liedermachers zauberhaft vertont. Könntet ihr euch vorstellen, jemals ein „eigenes“ Weihnachtslied zu schreiben? Und wenn ja, was denkt ihr in diesem Zusammenhang über Faulenzas tollen Song „Ich mag Kitsch“? Darin singt sie ja, dass sie „Im Oktober schon den ersten Schokoladen-Nikolaus“ habe. Könnt ihr als Zuckerklub das verstehen, heißt ihr das vielleicht sogar willkommen?

In unserer Vorstellung haben wir schon so einige Weihnachtslieder geschrieben, weil man mit guten Weihnachtsliedern mächtig Schotter machen kann. Und wir hätten sehr gerne mächtig Schotter, um jeden Tag im Studio abzuhängen und an neuen Sachen zu basteln, die überhaupt nichts mit Weihnachten zu tun haben.

3 Wir freuen uns total, dass ihr am kommenden Donnerstag auf der „Krawalle und Liebe“– Nikolaus-Grether-Salon-Party auftreten werdet. Besonders interessiert uns als euer Label natürlich, ob ihr auch Songs spielt, die noch nicht auf euren bisherigen grandiosen Alben vertreten sind, und wenn ja: verratet ihr schon die Namen von neuen Songs?

Wir werden zwei neue Songs spielen. Sie heißen „Wo du bist du“ und „Jemand so wie du“. Ein anderer neuer Song von uns heißt „Bist du noch genauso“. Wenn wir uns das gerade mal so klar machen, fragen wir uns, ob unsere nächste Platte vielleicht „Du“ heißen sollte.

4 Eine Schlüsselzeile aus einem eurer Hits heißt ja: „Ich möchte gern „ich“ sein, in jedem Moment. Ich möchte gern „mehr“ sein, in jedem Moment. Und ich will dass sich alles ändern kann, in jedem Moment“( falls wir das hier richtig zitiert haben.) Wenn ihr das zu Ende gehende Jahr mal so Revue passieren lasst: was hat sich geändert, bei euch? Und wo seid ihr „ich“ – oder besser gesagt: ihr selbst – geblieben?

Tatsächlich fühlen wir uns sofort unwohl, wenn wir uns von uns selbst entfernen. Im vergangenen Jahr haben wir uns ein bisschen rar gemacht und haben dadurch mehr Energie und Kraft für neue Lieder bekommen. Natürlich ist das immer auch von Zweifeln begleitet. Mit musikalischen Veränderungen, die, wie wir es empfinden, gerade wieder bei uns passieren, können wir aber ganz gut umgehen. Wir werden direkter und rücken uns selbst näher und hoffentlich auch denen, die unsere Lieder hören.

5 Und wenn das fünfte Lichtlein brennt, dann hast du Weihnachten verpennt, heißt es so schön in Süddeutschland, wo ja Chio herkommt. Gibt es diesen Spruch a) auch im Osten, wo Marlen herkommt und habt ihr b) schon mal Weihnachten verpennt?

Marlen: Im Osten gibt es keine fünften Lichtlein. Und die ganze Weihnachtsgeschichte ist mir erst nach der Grenzöffnung erzählt worden, da ich aus einer atheistischen Familie stamme. Trotzdem habe ich Weihnachten noch nie verpennt. Ich verschlafe generell nie schöne Feste, seitdem es mir einmal an Silvester passiert ist. Ich war noch recht jung und hatte so viel Wodka intus, dass ich es nicht bis zwölf durchgehalten habe. Sowas muss nicht unbedingt wiederholt werden.

Chio: Ich würde gerne mal Silvester verpennen, das ist für mich das nervigste Fest des Jahres. Es kommt einfach zu schnell nach Weihnachten, ich muss dann immer 1700 km fahren, um Weihnachten in Offenburg und Silvester in Berlin feiern zu können. Weihnachten liebe ich aber, ich mag den Kitsch, das Essen, die Familie treffen, mit Freunden feiern: einfach alles. Bloß der elende Shopping-Wahn ist mir ein Gräuel, ich hasse Einkaufen.

6 Über welches politische oder gesellschaftliche Thema habt ihr – bzw. jede einzelne von euch – euch in letzter Zeit am meisten aufgeregt? Und habt ihr damit auch Mitmenschen konfrontiert? Oder nur im stillen Kämmerlein damit gehadert; Wut geschoben?

Wir regen uns in unseren Songs genügend auf und konfrontieren damit die Leute. Trotzdem ist es vermutlich gerade niemandem möglich, politische Themen in Freundschaften und Familienkreisen auszugrenzen. Auch uns nicht. Und das ist auch gut so.

Gerade am letzten Wochenende haben wir einem Freund unser Video zum GEMA Musikautorenpreis von diesem Jahr gezeigt, das ja dazu geführt hat, dass der diesjährige Musikautorenpreis eine Jury aus 4 Frauen und 3 Männern hat und sich diese Quote somit hoffentlich auch auf die Preisvergabe auswirken wird.

 

 

Wir haben dann noch einen Whisky auf diesen Erfolg und den Feminismus an sich getrunken. Und uns geschworen, im nächsten Jahr wieder feministisch-politisch Bambule im Hinblick auf die Hörbarkeit von Frauen zu machen. Neben der Sichtbarkeit ist die Hörbarkeit nämlich auch ein Problem, es gibt tatsächlich Bestimmungen bei den Radiosendern, nicht zwei Frauenstimmen hintereinander zu spielen, das muss man sich mal vorstellen!

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