Neulich auf RadioEins: unser Beitrag zum Hole Song “Violet”

Hallo, hier sind Kerstin und Sandra Grether von der Band Doctorella, wir sind außerdem Autorinnen, aber eigentlich sind wir von Beruf Riot Girls. Und dazu passt unsere persönliche Nr 1, komponiert  von unserer Ausbilderin Courtney Love, die wir ganz genau studiert haben:

Der Mädchenhimmel leuchtete ein letztes Mal alt-feministisch-violett, in „Violet“ dem Opener-Track des zweiten Hole-Albums „Live through this.  Dass Hole-Frontfrau und Songpoetin  Courtney Love ausgerechnet  diese Farbe ausgewählt hatte, für jenen stürmischen Empowerment-Song, der dem Rock´n`Roll einen neuen, emanzipatorischen Anstrich geben wollte, überraschte, ja verwirrte  im Jahr 1994.

Denn die Vertreterinnen eines neuen Pop-Feminismus, zu denen auch Courtney Love zählte, hatten doch gerade eben noch ein zartes Babyrosa zu ihrer Bewegungsfarbe auserkoren… Aber Courtney Love Michelle Harrison Cobain, hatte eben immer schon ihren eigenen, platinblonden, Kopf.  Fröhlich, und mit aggressivem Unterton, deklinierte sie in „VIOLET“ alle Bedeutungen dieser Symbol-Farbe für die Frauenbewegung durch.

Und wir Fans hörten einen gewaltigen Sturm voller amethystfarbener Steine am Himmel rollen und grollen.“  Im  Adjektiv könnte man „violett“ als veilchenblau bezeichnen,  Violet also auch als die Farbe der  körperlichen Verletzungen. Und genau davon, von Verletzungen, handelt die Musik von Hole. Aber auch, wie man sie, mit Wut und Glanz im Bauch, überlebt.

Die schimmernde Strahlkraft des 2. Albums war aber leider schon am Tag der Veröffentlichung zu einer scheinbar unlebbaren Utopie geworden.

Denn bekanntlich  hatte sich ihr Ehemann, der Nirvana -Frontmann Kurt Cobain, vier  Tage vor Erscheinen des Heldinnenwerks, erschossen. „Amethyst“ klang jetzt beim Hören weniger nach „Edelstein“ und mehr nach „Enemies“, und „violet“ ist phonetisch sowieso nicht weit von „violence“, also „Gewalt“ entfernt…

Aber dieses neue, doppelbödige, fatalistische Hören hat den Song nur noch größer gemacht. Der violette Himmel leuchtete jetzt so, als ob Kurt Cobain dort oben ein Album der Raincoats aufgelegt hätte.

Und mich hat „Violet“ dazu inspiriert selber eine  Mädchenrockband natürlich, zu gründen.  Allein das fordernd-perlige Eingangsriff , und wie sie in die Leere des ausklingenden Power-Chords singt… changed my life!