In der Sonne fühle ich mich Ganz (featuring Kurt Cobain und das kommende Anna Calvi-Album)!

von Kerstin

In der Nacht zum 3. August auf dem Balkon eines Restaurants, das niemals schließt (so wie ich meine Augen):

Da hat man neulich im Frühling schon gedacht, dass Sommer ist: 25 Grad, alles klar, sonnige Nächte im Stadtpark, auf dem Balkon, im Nachtcafé, in der Scheune – da wird man jetzt aber eines Besseren belehrt! Alle Achtung vor diesem Sommer, scheiße, wie toll sich der Klimawandel bisweilen anfühlen kann! Vielleicht will der Körper das ja so: Außentemperaturen, die es mit der menschlichenKörpertemperatur aufnehmen können. Geht das nicht auch ohne Klimawandel?

„In the sun I feel as one“ sang Kurt Cobain einst, und dass ihm so eine Sommerhitze besser noch gefallen hat als das ganze doofe Heroin, das er gegen seine Magenschmerzen konsumiert hat. Ich kann das verstehen. Ich fühle mich auch Ganz in der Sonne; wie gut es draußen auch riecht, die Luft, der Wind, die Bäume, selbst der Mond leuchtete in Pink und Orange, als ob er sich zwei Tage vorher schon auf den CSD vorbereitet hätte, letzten Freitag als Blutmond war. Ich bin leider ein CSD-Loser, ich kann auf Massenveranstaltungen nicht richtig atmen. Lustig, dass ausgerechnet ich dafür kämpfe, dass mehr Frauen* auf Rock-Festivals spielen, ich hasse doch Festivals.

Was ich wirklich nicht verstehe: die Nuller Jahre“, sagt eine Freundin nachdenklich und baut sich einen kleinen Joint, „wieso habe ich damals …“ „Keiner versteht sich selbst in den Nuller Jahren“, sage ich barsch, weil ich das Thema so schnell wie möglich beenden will. Ich rede doch nicht, wenn der Lufthauch noch heißer ist als die Außentemperatur, über früher.  Lieber über das neue Album von Anna Calvi. Alles was sich bewegt, in dieser sonnigen Nacht, bewegt sich nämlich mit Bedacht, genau wie Anna, sie singtschmachtetseufzt sich durch ein neues Album voller Leidenschaft. Und alles was raschelt, raschelt mit Eleganz (die Rosensträucher) –  und alles was klappert, klappert natürlich am rauschenden Bach (hach). Und alles was auftrumpft, heißt in dieser Nacht Art-Rock, und es ist natürlich wie immer schön, wenn Menschen ihre Sexualität und Lust neu für sich entdecken, und noch besser,  wenn das Leuten passiert, die sowieso schon Art-Rock-Sängerinnen sind:

Anna Calvi –  der Blutmond unter den Gitarristinnnen –  wird seit ihrem 2011er Debut- Album von der britischen Musikindustrie als fesselnde Interpretin, Instrumentalistin  und gefühlvolle Songwriterin verehrt. Laut Selbstaussage möchte sie auf ihrem dritten Album „Hunter“ nun das Gefühl von “Ekstase “ zum Ausdruck bringen.  Je intimer und elegischer Gesang und Musik, desto waghalsiger. Die Labelung als „Frau“ empfindet sie indes als „Beschränkung“, wiederum als „Mann“ identifiziere sie sich aber auch nicht.

Im Juni stellte die Calvi  bereits das Album im Berghain vor, was die Berliner Zeitung zu einer Art Vergleich mit Jimi Hendrix bewog. Was sicherlich nicht sehr häufig vorkommen dürfte, wenn Gitarristinnen irgendwo auftreten. Auch deshalb sei hier auf die schöne Review von Markus Schneider verlinkt: https://www.berliner-zeitung.de/kultur/musik/einmalig-in-deutschland-im-berghain-stellte-anna-calvi-ihr-neues-album–hunter–vor-30615598#

Mein persönlicher Anspieltipp ist der letzte Track des Albums, namens „Eden“: manchmal dauert es eben eine Albumlänge, bis man sich gefunden hat. Ein “queeres Paradies” wolle sie beschreiben, erklärt Anna Calvi im Platteninfo des Albums, das am 31.8. via Domino erscheint. Bis dahin schmeißen wir uns mit Wonne in den Sommer und ignorieren all die Tipps für guten Schlaf, die uns die Zeitungen online geben. (Nachtbettwäsche im Kühlschrank vorkühlen z.B.). Denn der beste Tipp ist, wie immer: Schlafen kann ich, wenn der Sommer vorbei ist.

In diesem Sinne: gut`s Nächtle…

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